Together
Disco
Inhaberinnen Erika und Hannelore
1984 bis 1994 in der Hans-Sachs-Straße 17
„Die stuckverzierten Räume des ehemaligen Club Thomas beherbergen jetzt eine Discothek, in der auch Lesben gerne gesehen sind. Die ‚Mannschaft‘ allerdings ist überwiegend männlich, gutaussehend und diensteifrig. Links neben dem Eingang befinden sich gemütliche Kanapees, auf denen man sitzend die Tänzer oder eine der Shows mit wechselnden Gruppen beobachtet. In einem separierten Bistro-Raum kann man ohne Lärmbelästigung sich unterhalten, trinken oder eine Kleinigkeit essen.“
in München von hinten 85/86
Nachdem Hannelore und Erika das Pompon Rouge, ein Frauenlokal in der Hans-Sachs-Straße 10, schließen mussten, bewarben sie sich bei der Augustiner-Brauerei um die Räume des geschlossenen Clubs Thomas in der Hans-Sachs-Straße 17.
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Foto: unbekannt
Quelle: München von hinten 85/86
Nach einigem Hin und Her bekamen Hannelore und Erika den Zuschlag. Da die Räumlichkeiten aber in denkbar schlechtem Zustand waren, dauerte es mehr als ein Dreivierteljahr, bis das Together 1984 eröffnen konnte.
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Anfänglich war das „Together“ als Frauenlokal geplant, entwickelte sich jedoch innerhalb kurzer Zeit zu einem international bekannten Treffpunkt schwuler Männer.
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„In dieser Disco mischen sich die Stile: Moderne Lichteffekte und zwei funktionierende Bars einerseits, Stuckdecke und nostalgische Sitzecke andererseits. Auch das Publikum besteht aus einer guten Mischung: Alternative Jungschwule, modische Disco-Jünglinge und mittelalterliche Musikliebhaber. Auch Lesben sind hier gerne gesehen.“
in München von hinten 87
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Jahrelang war das Together wichtiger Bezugspunkt der Münchner Szene.
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Am 11. Juni 1994 wurde der Mietvertrag gekündigt. Nach zehn Jahren musste das Together seine Pforten schließen.
Alle Audiomitschnitte sind aus der Radiosendung Uferlos auf Radio LORA vom 03. Dezember 2015.
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Sendlinger Tor WG
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VSG
info
Städtische Räume sind nicht einfach gegeben oder existent, sondern in hohem Maße durch die gesellschaftliche Realität von Individuen beeinflusst. Der städtische Lebensraum konstituiert sich anhand persönlicher Lebenszusammenhänge. Jede*r Stadtbewohner*in hat eine individuelle Landkarte des städtischen Raumes im Kopf und nimmt die Stadt in einer bestimmten Weise wahr, die den Mitmenschen verborgen bleibt. Öffentliche Räume und Gebäude haben für unterschiedliche Personen unterschiedliche Bedeutungen, die sich überlagern und in ihrer Mehrschichtigkeit auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. gayze geht der Frage nach, wo in München queere Menschen – Lesben, Schwule, Bi, Trans, Inter*, nonbinary – die Bedeutung von Orten geprägt haben.
Das Projekt erfasst Räume, an denen queeres Leben in München stattfindet bzw. stattgefunden hat und macht deren vielfältige Geschichte anhand einer digitalen Karte sichtbar. Die Spuren verdeutlichen, dass der urbane Raum seit jeher durchwoben ist von einem Geflecht queerer „Gegenöffentlichkeiten“, die traditionelle, heteronormative Hierarchien außer Kraft setzen.
Anhand einer eigens erstellten Website werden die queeren Orte mit unterschiedlichem Material wie Bildern, Tonaufnahmen, historischen Dokumenten und anderen Objekten verknüpft, um die Historie des jeweiligen Ortes offenzulegen. Die entstandenen Bricolagen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wollen keine abgeschlossene Geschichte erzählen, sondern ein Schlaglicht werfen auf die möglichen Ausformungen queeren Lebens.
gayze – Queere Orte in München ist von Anfang an als offen und prozesshaft angelegt. Die Karte, die in Zusammenarbeit mit dem Forum Queeres Archiv München und der PLATFORM entstanden ist, soll im Laufe der Zeit um weitere Orte ergänzt werden. Nutzer*innen sind zur Teilhabe aufgerufen. Persönliche Anmerkungen, neue Orte und Objekte sind immer erwünscht. Langfristig soll gayze zum digitalen Archiv queerer Stadtgeschichte(n) in München werden, durch welches interessierte Personen ihre Stadt aus einer anderen Perspektive sehen und abseits der ausgetretenen Pfade auf Erkundungstour gehen können.

links: Jonas Peter (Idee, Konzept, Recherche, Text – Platform München) rechts: Stefan Gruhne (Recherche, Text – Forum Queeres Archiv München) mitte: Fabian Karrer (Gestaltung – Studio Erika)
Mit freundlicher Unterstützung durch: